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Elterngespräche: Schwierige Situationen meistern

Von: Carolin Sponheuer
Es gibt Gesprächssituationen, die besonders heikel sind. Vermutlich haben Sie auch schon mal einer Mutter gegenübergesessen, die einfach nicht wahrhaben will, dass ihr Kind Probleme hat. Oder einem Vater, der glaubt, dem Lehrer zeigen zu müssen, dass er mit sich bzw. seinem Kind „nicht alles machen lässt“. Solche Eltern scheuen sich auch nicht, den Lehrer zu beschimpfen oder zu bedrohen. Manche Eltern verhalten sich völlig passiv und lassen sich „jedes Wort aus der Nase ziehen“. Andere wiederum reden wie ein Wasserfall und lassen Sie kaum „dazwischen“ kommen. Im folgenden Beitrag erhalten Sie Tipps, wie Sie sich in solchen Situationen verhalten können.

Wenn Eltern Probleme ihrer Kinder nicht wahrhaben wollen

Manchen Eltern fällt es besonders schwer, zwischen sich und ihrem Kind zu trennen. Jedes Problem des Kindes wird als Angriff auf die eigene Persönlichkeit verstanden. In solchen Fällen ist es besonders wichtig, zu betonen, dass es darum geht, dem Kind zu helfen und nicht darum, das Kind (bzw. seine Eltern) auf die Anklagebank zu setzen. Fragen Sie solche Eltern verstärkt nach den Ressourcen des Kindes. Was Sie sonst noch tun können:

  • Beschreiben Sie die problematischen Verhaltensweisen des Kindes so sachlich und konkret wie möglich. Vermeiden Sie pauschale Aussagen. Es genügt nicht, den Eltern zu sagen: „Ihr Sohn stört permanent im Unterricht“ oder „Er verhält sich seinen Mitschülern gegenüber aggressiv“, sondern beschreiben Sie genau sein Verhalten: „Er ruft in die Klasse hinein, er steht ohne Erlaubnis auf, er wirft mit Gegenständen, er hat einen Mitschüler, der mit dem Stuhl gekippelt hat, umgestoßen.“ In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, wenn Sie auf schriftliche Aufzeichnungen zurückgreifen können. Deshalb sollten Sie sich nach dem Unterricht Notizen machen.
  • Beschreiben Sie ebenfalls sachlich, wie sich das Verhalten des Kindes auf alle Beteiligten (auch auf das Kind selbst!) auswirkt, z. B.: „Bislang ist Leo in der Klasse gut zurechtgekommen, aber jetzt gibt es immer mehr Kinder, die nicht mehr neben ihm sitzen wollen, weil er sie stört.“). Nennen Sie aber möglichst keine Namen.
  • Beschränken Sie sich auf die dringlichsten Probleme. Es ist für die Eltern entmutigend, wenn sie mit einer langen Liste von „Störungen“ und „Defiziten“ konfrontiert werden.
  • Dreht sich das Gespräch in erster Linie um unzureichende Leistungen, ist es sinnvoll, den Eltern Klassenarbeiten, Tests oder Hefte vorzulegen, die den Leistungsstand des Schülers deutlich machen.
  • Wenn es darum geht, die Ursachen für das problematische Verhalten und/oder nachlassende Leistungen zu analysieren, formulieren Sie Ihre Gedanken als Vermutungen und nicht als Tatsachen. („Ich habe den Eindruck, dass ...“, „Vielleicht ist es so, dass ...“, „Manchmal denke ich, dass ...“, „Ich bin mir nicht sicher, aber möglicherweise ...“). Fragen Sie die Eltern, was sie von Ihren Vermutungen halten.
  • Setzen Sie verstärkt „Eisbrecher“ ein (vgl. Kapitel 2.1).
  • Machen Sie deutlich, dass Sie das Kind mögen und benennen Sie auch positive Verhaltensweisen bzw. Fähigkeiten.

Wie gehe ich mit Anschuldigungen und Kritik um?

Vielleicht haben Sie auch schon einmal einer wütenden Mutter oder einem Vater gegenübergesessen, der Sie für „unfähig“ hält und für die Probleme des Kindes verantwortlich macht. Manche Eltern verhalten sich nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ und versuchen so, eigene Erziehungsfehler auszublenden. Aber die Kritik der Eltern kann auch berechtigt sein und Sie sollten in jedem Fall die Hintergründe erfragen. In solchen „aufgeladenen“ Gesprächssituationen ist es wichtig, betont sachlich zu reagieren.

Folgende Strategien können helfen:

  • Geben Sie Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, Dampf abzulassen und hören Sie einfach nur zu. Wenn Sie zu früh versuchen, den anderen zu unterbrechen, verschenken Sie unnötig Energie. Greifen Sie erst ein, wenn der andere anfängt, sich mehrfach zu wiederholen oder längere Pausen einlegt.
  • Fangen Sie nicht sofort an, sich zu rechtfertigen, sondern fragen Sie nach, was Ihr Gesprächspartner genau meint. Bitten Sie ihn, konkrete Situationen zu benennen, in denen Sie sich aus seiner Sicht falsch verhalten haben.
  • Wiederholen Sie sinngemäß (und ohne Polemik!), was Sie verstanden haben.
  • Erklären Sie erst jetzt, wie Sie die Situation sehen. Wenn Sie tatsächlich einen Fehler gemacht haben (z. B. bei der Bewertung einer Klassenarbeit), geben Sie das freimütig zu („Ich bin froh, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben.“). Vielleicht gibt es auch etwas zu erklären oder richtigzustellen: („Da hat es offenbar ein Missverständnis gegeben, lassen Sie mich das richtig stellen.“). Möglicherweise müssen Sie sich auch abgrenzen: („Das sehe ich anders als Sie.“).
  • Versuchen Sie eine Lösung zu finden. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner, was er von Ihnen erwartet. Machen Sie selbst Vorschläge. Verabreden Sie evtl. ein weiteres Gespräch.
  • Wenn Ihr Gesprächspartner unfair und beleidigend wird, sollten Sie nicht darauf „einsteigen“, sondern den anderen auffordern, wieder auf die Sachebene zurückzukehren. („Wenn wir weiter in diesem Ton miteinander sprechen, bringt das nichts. Bitte versuchen Sie sachlich zu bleiben.“) Ist das nicht möglich, brechen Sie das Gespräch ab und bieten an, zu einem anderen Zeitpunkt einen neuen Versuch zu unternehmen („Ich denke, so hat das keinen Sinn. Ich kann ja verstehen, dass Sie sich Sorgen machen, aber ich bin nicht bereit, mich von Ihnen anschreien oder beleidigen zu lassen. Ich werde das Gespräch jetzt abbrechen. Wenn Sie sich wieder beruhigt haben, können Sie mich anrufen. Dann machen wir einen neuen Termin.“)
  • Wenn Eltern Sie bedrohen, sollten Sie in jedem Fall die Schulleitung einschalten.
  • Wenn Anschuldigungen Sie unvorbereitet „zwischen Tür und Angel“ oder am Telefon treffen, entscheiden Sie zunächst, ob Sie das Gespräch jetzt führen wollen und können oder ob Sie lieber einen Termin vereinbaren möchten („Das, was Sie da vorbringen, ist viel zu wichtig, um es zwischen Tür und Angel zu besprechen. Lassen Sie uns einen Termin vereinbaren.“, „Ich kann Ihnen jetzt nicht richtig zuhören, weil ...“). Sorgen Sie dafür, dass es kein „Publikum“ gibt und suchen Sie einen ruhigen Raum oder zumindest eine ruhige Ecke auf.

Wenn der Konflikt „ausufert“ und wir keine Lösung finden

Auch wenn Sie Ihrerseits alles dafür getan haben, um eine konstruktive Gesprächsatmosphäre zu schaffen, kann das Gespräch „scheitern“. Konflikte lassen sich nur gemeinsam lösen. Wenn Ihr Gesprächspartner „auf stur schaltet“, haben Sie kaum eine Chance.

  • Ufert der Konflikt aus und lässt sich nicht lösen, brechen Sie das Gespräch ab. Schlagen Sie vor, einen neuen Termin zu vereinbaren und einen „Vermittler“ hinzuzuziehen, z. B. Elternvertreter, Kollege, Beratungslehrer, Schulleitung. („So kommen wir doch nicht weiter. Ich möchte das Gespräch jetzt abbrechen. Dennoch möchte ich Jan unbedingt helfen und es bedrückt mich/macht mich unzufrieden, dass wir keine Lösung gefunden haben. Was halten Sie davon, wenn wir ...“).
  • Der Vermittler sollte das Vertrauen beider Seiten besitzen und in der Lage sein, das Gespräch sachlich, strukturiert und lösungsorientiert zu leiten. Bei eher lautstarken Gesprächspartnern sollte er auch durchsetzungsfähig sein.

Wenn die Eltern kaum etwas sagen oder mich nicht zu Wort kommen lassen

Bei ruhigen Eltern ...
Wenn die Eltern im Gespräch kaum etwas sagen, sollten Sie nicht den Fehler machen, das Schweigen zu übergehen, indem Sie selbst umso mehr reden.

  • Stellen Sie offene Fragen. Sie lassen sich im Gegensatz zu geschlossenen Fragen nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten („Was macht Jan in seiner Freizeit? Wofür interessiert er sich?“).
  • Betonen Sie, dass Sie auf die Meinung der Eltern Wert legen („Sie kennen Ihr Kind in dieser Hinsicht besser.“).
  • Sie können auch die Gesprächssituation thematisieren („Ich rede und rede und Sie sagen so wenig. Was geht Ihnen durch den Kopf?“).
  • Geben Sie den Eltern nach jeder Frage Zeit, sich eine Antwort zu überlegen. Halten Sie auch mal eine Gesprächspause aus und füllen Sie die Stille nicht mit eigenen Kommentaren oder weiteren Fragen. Dann bleibt den Eltern gar nichts anderes übrig, als zu antworten.

Bei „Vielrednern“ ...
Bei „Vielrednern“ haben Sie keine andere Möglichkeit als Ihren Gesprächspartner auch mal zu unterbrechen.

  • Bei der Unterbrechung sollten Sie nicht sofort mit Ihrer eigenen Meinung herausplatzen, sondern sich zunächst auf die Äußerungen des Gesprächspartners beziehen („Herr Meier, wenn ich Sie richtig verstanden habe, meinen Sie also ...“).
  • Oder Sie unterbrechen mit einer Frage und lenken den Redeschwall damit in eine andere Richtung („Was ich mich die ganze Zeit frage, Herr Meier, ist, was können Sie und ich denn tun, damit Leo im Matheunterricht wieder besser mitkommt?“).
  • Reden Sie Ihren Gesprächspartner in solchen Fällen mit Namen an und werden Sie notfalls etwas lauter. Dann haben Sie mehr Aufmerksamkeit.
  • Natürlich können Sie bei der Unterbrechung auch auf die knappe Zeit verweisen („ Entschuldigen Sie, Frau Beckmann, aber wir haben nur noch 5 Minuten und ich würde gern noch besprechen, ...“).