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Krankenversicherung für angehende Lehrkräfte

Mehr als nur die Frage nach "gesetzlich oder privat"
Jeder Deutsche muss krankenversichert sein. Je nachdem, ob Sie als Referendar Angestellter oder Beamter auf Widerruf sind, bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Bei der Entscheidung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung sollten Sie jedoch auch andere Faktoren als die Art Ihres Dienstverhältnisses berücksichtigen.

Angestellter oder Beamter auf Widerruf?

Sehr einfach ist die Entscheidung für diejenigen, die das Referendariat im Angestelltenverhältnis absolvieren – sie müssen sich gesetzlich versichern. Dies nennt man gesetzlich „pflichtversichert“.

Wenn Sie zu Beginn des Referendariats Beamtin bzw. Beamter auf Widerruf werden – wie in den weitaus meisten Fällen –, haben Sie unter Umständen die Wahl: Wenn Sie während des Studiums privat versichert waren, müssen Sie sich in aller Regel weiterhin privat versichern. Waren Sie hingegen während Ihres Studiums gesetzlich versichert, können Sie zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung wählen – eine gesetzliche Versicherung wäre daher „freiwillig“.

Private Krankenversicherung

Bei der privaten Krankenversicherung hängt der Beitrag vom Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand ab. Es gibt keine kostenlose Mitversicherung von Familienmitgliedern.

Generell gilt, dass Sie die in Anspruch genommenen Leistungen (meist also Arztbesuche) zunächst selbst bezahlen müssen und der Betrag im Anschluss durch die Krankenversicherung erstattet wird. Bei sehr teuren Behandlungen und Krankenhausaufenthalten wird jedoch in der Regel direkt mit der Kasse abgerechnet.

Referendare zahlen besonders günstige Ausbildungstarife für Lehramtsanwärter – allerdings nur solche unter 35 Jahre.

Beihilfe

Was die private Krankenversicherung finanziell in den meisten Fällen attraktiv macht, ist die Beihilfe. Während der Arbeitgeber bei Angestellten die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung als Zuschuss zahlt (siehe unten), erhalten Beamte die sogenannte Beihilfe. Das Land als Arbeitgeber übernimmt dabei einen Anteil der tatsächlich anfallenden Behandlungskosten – in der Regel 50 % bei einem durchschnittlichen Referendar, 70 % bei seinem beihilfeberechtigten Ehepartner und 80 % für beihilfeberechtigte Kinder.

Beamte sind von der Versicherungspflicht befreit. Sie könnten also auch den Rest aus eigener Tasche zahlen – was aber angesichts potentiell immenser Kosten für Behandlungen alles andere als ratsam ist. In aller Regel wird ein Referendar also einen Beihilfeergänzungstarif bei einer privaten Krankenversicherung abschließen, die den Rest (50 % für ihn selbst sowie ggf. 30 % für seinen beihilfeberechtigten Ehepartner und 20 % für seine Kinder) übernimmt.

Ein gesunder und junger Durchschnittsreferendar sollte meist ca. 50 bis 80 € pro Monat zahlen.

Gesetzliche Krankenversicherung

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung zahlt jeder Versicherte einen festen Anteil seines monatlichen Einkommens als Beitrag (momentan 15,5%). Bei Pflichtversicherten übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte, während freiwillig Versicherte alles selbst tragen müssen. Familienmitglieder, die über kein Einkommen verfügen, sind dafür kostenfrei mitversichert.

Die Kosten für einen freiwillig gesetzlich versicherten Referendar würden sich beispielsweise bei einem Monatsgehalt von 1050 € auf 162,75 € belaufen.

Was man bei der Entscheidung bedenken sollte

Rein finanziell gesehen, ist die private Krankenversicherung für den „Durchschnittsreferendar“ meist attraktiver, zumal die Leistungen teilweise besser sind. Es gibt jedoch einige Aspekte, die die eigene Lebenssituation und die berufliche und private Zukunft betreffen, die man vor seiner Entscheidung sehr gut überdenken sollte:

  • Falls Sie Familie haben, kann in bestimmten Fällen die gesetzliche Versicherung aufgrund der kostenfreien Mitversicherung von Familienmitgliedern ohne eigenes Einkommen günstiger sein.
  • Sind Sie bei bereits 35 Jahre oder älter oder werden es während des Referendariats, ist unter Umständen die gesetzliche Krankenversicherung günstiger, da dann der ermäßigte Beitragssatz für die private Krankenversicherung in der Regel nicht mehr angeboten wird.
  • Falls Sie chronisch krank sind, kann eine private Krankenversicherung, die immer eine Gesundheitsprüfung vor Versicherungsbeginn vornehmen lässt, Sie ganz ablehnen oder Ihnen nur einen Tarif mit hohen Risikozuschlägen und/oder eingeschränkte Leistungen anbieten. Die gesetzliche Krankenversicherung versichert dagegen Kranke genauso wie Gesunde.
  • Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung steigen mit dem Alter kontinuierlich an und werden auch nach der Pensionierung nicht ermäßigt. Sprich: Man sollte bis dahin durch die private Versicherung so viel gespart haben, dass man sich dies gut leisten kann.

Was passiert nach dem Referendariat?

Falls Sie nach dem Referendariat verbeamtet werden, können Sie in der privaten Krankenversicherung bleiben oder in diese eintreten. Es gilt dann aber der normale Tarif, nicht der vergünstigte Ausbildungstarif. Freiwillig gesetzlich versichern kann sich als verbeamteter Lehrer nur, wer schon während des Referendariats freiwillig gesetzlich versichert war.

Falls Sie als Lehrer im Angestelltenverhältnis arbeiten, müssen Sie sich gesetzlich versichern.

Frühpensionierung, Sabbatjahr, Teilzeitarbeit, späteres erneutes Studium, nicht berufstätiger Ehepartner? All dies sind berufliche und private Zukunftsszenarien, die bei der Entscheidung nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollten.

Und nicht zuletzt: Alle Referendare werden zwischen dem zweiten Staatsexamen und dem ersten Schultag mindestens sechs Wochen arbeitslos. Die Beihilfe entfällt nach 31 Tagen, wenn kein neues Beamtenverhältnis entsteht. Welche Tarife kann die private Krankenversicherung für diese Übergangszeit bieten? Welche bei möglicher längerer Arbeitslosigkeit?

Anwartschaft

Meldet man sich in einer Phase der Arbeitslosigkeit arbeitssuchend und bezieht Arbeitslosengeld, entsteht dadurch eine Krankenversicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse – oder es gilt ein Übergangstarif der privaten Krankenversicherung. Waren Sie zuvor privat versichert und wechseln nun zur gesetzlichen Krankenversicherung, ist es oft sinnvoll, für einen geringen Betrag eine Anwartschaft abzuschließen, sofern Sie absehen können, später verbeamtet zu werden. In diesem Fall „ruht“ die private Krankenversicherung während der vorübergehenden gesetzlichen Pflichtversicherung. Der Vorteil ist, dass bei einer Verbeamtung unbürokratisch und ohne erneute Gesundheitsprüfung die Anwartschaft zu einer regulären privaten Krankenversicherung wird.

Achtung: Haben Sie sich während des Referendariats für einen besonders günstigen Tarif entschieden, möchten aber nach Ihrer Verbeamtung von besseren Leistungen (z.B. Chefarztbehandlung, Heilpraktiker etc.) eines anderen Tarifs profitieren, ist diese Aufstockung oft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung und mit Zustimmung des Versicherers möglich (einige Versicherer bieten jedoch auch die Option, die Versicherung ohne erneute Prüfung aufzustocken).

Fazit

Dass für Referendare generell die private Krankenversicherung empfehlenswert ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Sicherlich ist die private für viele eine sehr gute Option – die individuellen Voraussetzungen, Zukunftspläne und nicht zuletzt die Tarife und Bedingungen der verschiedenen Versicherungen sind jedoch so unterschiedlich, dass sich keine eindeutige Aussage treffen lässt. Lassen Sie sich unbedingt von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten und versuchen Sie, möglichst viele Zukunftsszenarien zu berücksichtigen!