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Würden Sie den Schülern Ihre Handy-Nummer geben?

Pro und Contra
Von: Silke Bakenhus, Jonas Lanig
Das Handy ist für Ihre Schüler das wichtigste Kommunikationsmittel. Aber sollten Sie als Lehrkraft den Schülern Ihre Handy-Nummer geben? Silke Bakenhus und Johannes Lanig sind geteilter Meinung...

Ja

Ohne dass meine Schüler mich darum gebeten hätten, habe ich ihnen zu Beginn des Schuljahres meine Handy-Nummer gegeben. Warum? Weil es tausend Anlässe gibt, um mit ihnen zu reden: Ich möchte Steffi zum Geburtstag gratulieren, David davon unterrichten, dass sich sein Referatstermin um eine Woche verschiebt, und Paula eine Rückmeldung über ihr Verhalten in der Deutschstunde geben.

Ich bediene mich dabei des Mediums, das ich auch außerhalb der Schule nutze – und von dem ich weiß, dass meine Schüler es immer griffbereit haben. Die Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern darf aber keine  Einbahnstraße sein. Deshalb sollen sie mich auch auf meinem Handy erreichen können: Da teilt mir Büsra mit, dass ich meinen Autoschlüssel im Computerraum vergessen habe. Linda informiert mich darüber, dass ihre Eltern sie direkt zum Ethik-Seminar bringen. Von Sebastian erfahre ich, dass seine Bewerbung jetzt doch erfolgreich war. Sie akzeptieren, dass das Handy für mich kein Spielzeug, kein Zeitvertreib und kein Labermedium ist. Darum fallen ihre Anrufe auch knapp und sachlich aus. Ich bin auch noch nie von betrunkenen Schülern mit vermeintlichen Fun-Anrufen traktiert oder telefonisch um Hilfe gebeten worden, weil ein Schüler mit der Recherche für seine Facharbeit nicht weiterkommt.

Die Schüler bekommen eben nicht nur meine Handy-Nummer. Sie bekommen auch vorgeführt, wie vernunftbegabte Menschen mit dem Handy umgehen sollten. Sie lernen, dass das Handy nicht für den Austausch von Nichtigkeiten gemacht ist, sondern zunächst einen Gebrauchswert erfüllt. Wenn wir Lehrer hier nicht unsere Vorbildfunktion wahrnehmen, brauchen wir uns auch nicht darüber zu beschweren, dass mit dem Handy viel Missbrauch betrieben wird – und es für manche Schüler ein Suchtmittel geworden ist. Zu Beginn des Unterrichts schalte ich mein Handy demonstrativ aus. Das erwarte ich auch von meinen Schülern.

Jonas Lanig ist Lehrer am Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasium und Bundesvorsitzender der Aktion Humane Schule.


Nein

Meine private Handy-Nummer habe ich bisher nur einmal in meiner Funktion als Klassenleitung an Schüler herausgegeben – und habe diese Entscheidung anschließend bereut. Nicht die Schüler haben nachts bei mir angerufen, aber ihre Eltern. Einige auch an Samstagabenden, um sich wutentbrannt über die Beurteilung einer Klassenarbeit Luft zu machen. So unvorbereitet im Privatleben überfallen zu werden, ist für mich nicht akzeptabel. Jede Lehrkraft hat eine Sprechstunde, die genutzt werden kann und sollte. Zudem ist man bei einer Vollzeitstelle für circa 200 Schüler Ansprechpartner. Gibt man seine Nummer einmal heraus, wird diese weitergegeben – auch innerhalb der Elternschaft, unter der Hand in der Nachbarschaft oder bei Geschwisterkindern. Die Hemmschwelle sinkt, wegen Nichtigkeiten bei den Lehrern anzurufen.

Ich habe großes Interesse an meinen Schülern und ihrem Leben. Aber ich bin die Lehrerin und nicht die Freundin. Zwischen diesen beiden Polen sollte man schon zu trennen wissen. Für Gespräche über erfolgreiche Bewerbungen oder persönliche Probleme nehme ich mir – nach vorheriger Ankündigung – gerne Zeit. Die Schüler wissen das. Allerdings mache ich meine Bereitschaft nicht am Medium Handy fest. Gespräche, gerade wegen der großen Schülerzahl, führe ich lieber vorbereitet und schaue dafür vorher in meinen Lehrerkalender, die letzte Klausur oder bespreche mich mit Kollegen. Auf Wandertagen oder Klassenfahrten muss ich für den Notfall natürlich erreichbar sein. Mein altes Handy mit einer nicht mehr von mir genutzten Nummer leistet dafür hervorragende Dienste. Ich  schalte es nur an solchen Tagen an und dann sofort wieder aus.

Ich denke, dass man als Lehrer auch das Recht hat, seine Privatsphäre zu wahren. Ein Anruf zum Beispiel während einer Freizeitbeschäftigung sehe ich als Belästigung. Die Regenerationszeit für Lehrkräfte ist zu schützen und zu  respektieren.

Silke Bakenhus ist Haupt- und Realschullehrerin und arbeitet zurzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik der Universität Oldenburg.